Eigenleistungen

Als erstes will ich berichten, dass wir endlich im Haus wohnen. Was heißt endlich? Schließlich haben wir erst Mitte April angefangen und wohnen jetzt schon im Haus. Wir waren ganz schön flott, obwohl wir ziemlich viel selber gemacht haben. Ohne die Hilfe von meinen Schwiegereltern, meinem Schwager und Freunden hätten wir das nicht geschafft.

Die Eigenleistungen sind ein wichtiges Thema beim Hausbau. Mancher Bauherr kann es sich leisten, nichts selber zu machen. Mancher Bauherr muss es sich leisten, weil er nichts selber machen kann. Mancher Bauherr muss es selber machen, weil er es sich sonst nicht leisten kann. Und mancher Bauherr will es selber machen. Sei es aus Spaß an der Freude, Fachkenntnis oder Perfektionismus. Wir sind so ein Mix. Wir wollten etwas selber machen, wir mussten aber auch etwas selber machen und Sachen auf die wir keine Lust hatten oder nicht konnten, haben wir machen lassen.

Hier mal eine (unvollständige Liste) was wir alles in Eigenleistung erbracht haben:

  • Innendämmung
  • Gipskartonplatten verschrauben
  • Lehmplatten montieren
  • Stellbretter
  • Acrylfugen
  • Kompletter Bodenaufbau außer Fliesenbelag
  • Streicharbeiten im Innenraum
  • Fensterbänke
  • Fußleisten
  • Außenanlagen (kommen in den nächsten Jahren)

 

Einschätzung vs. Realität:

  1. Es dauert alles länger als man denkt. Jeder arbeitet ein anderes Tempo, aber wer ordentlich arbeitet, braucht Zeit und es gibt immer viele Nebenarbeiten die Zeit kosten. Zum Beispiel habe ich mehr Zeit mit Abkleben der Holzbalkendecke verbracht, als ich im Endeffekt für das Streichen der Wände gebraucht habe.
  2. Es gibt eine Lernkurve. Mal mehr, mal weniger steil. Wir haben Arbeiten gemacht, die wir schon oft gemacht haben oder auch eben noch nie. Einige Arbeiten wurden gut von unserem Bauleiter erklärt, ein paar Arbeiten ziemlich schlecht.
  3. Es kommt immer was dazwischen oder dazu oder es läuft etwas falsch. Unser Zeitplan wurde öfters durch fehlendes Material, fehlende Hilfe oder das Leben durcheinandergebracht. Mein Vater ist in der heißen Bauphase verstorben und meine Schwiegermutter braucht jetzt ein neues Knie. Das erste bedeutete, dass wir nicht viel auf der Baustelle waren und arbeiten konnten, dass zweite bedeutete, dass wenn wir da waren, wir keine durchgehende Betreuung für Fräulein Kay hatten.
  4. Ohne Fleiß kein Preis. Eigenleistungen sind viel Arbeit. Und immer mehr Arbeit als man denkt.
  5. Eigenleistungen kosten auch Geld. Werkzeug und Material muss eingeplant werden. Aus Erfahrung kann ich raten, beim Werkzeug nicht zu sparen, denn das kostet im Endeffekt Zeit und Nerven. Unser Material war zum größten Teil im Festpreis vom Haus mit dabei und Werkzeug besaßen wir auch schon viel vor dem Baustart, trotzdem haben wir bestimmt mindestens 3000€ für Material und Werkzeug während der Bauzeit bezahlt.

 

Tipps für Eigenleistungen:

  • Überlegt euch genau welche Arbeiten ihr selber machen könnt bzw. wollt. Wenn ihr keine Lust auf bestimmte Arbeiten habt, dann lasst sie eher von Handwerkern ausführen, weil sonst kostet das vor allem Nerven. Ich hatte absolut keine Lust über Kopf zu streichen und bin auch sehr froh, dass wir für die Holzdecken einen Maler hatten.
  • Wenn ihr handwerklich unbegabt seid, dann lasst es! Verhunzte Arbeit von einem Handwerker korrigieren zu lassen ist oft teurer, als wenn man von vorne herein einen Handwerker dran lässt. Wir haben hauptsächlich Gewerke übernommen mit denen wir schon Erfahrung hatten oder die wir uns auch zugetraut haben. Bestimmte Gewerke haben wir vor allem wegen der Garantie von Handwerkern ausführen lassen.
  • Plant die Ausführungszeiten realistisch, vor allem wenn ihr nebenher noch einen Beruf habt. Ein Profi arbeitet mindestens doppelt so schnell wie ein Laie, also richtet euch nicht nach deren Zeitangaben. Regenerierungszeiten und Freizeit sind ebenfalls wichtig. So manch einer ist krank geworden und so manch eine Ehe in die Brüche gegangen, weil Eigenleistungen Zeit und Nerven kosten können. Plant auch einen Zeitpuffer ein, schließlich lauert Murphys Law überall.
  • Wer kein professionelles Werkzeug besitzt, sollte vorher gut durchrechnen, ob sich die Eigenleistungen finanziell lohnen. Billiges Werkzeug kauft man zweimal und teures Werkzeug ist eben auch teuer. Auch das Arbeitstempo und die Qualität lässt sich durch die Werkzeugwahl beeinflussen. Wie schnell die Arbeit wurde, als die Tischkreissäge endlich auf der Baustelle stand.
  • Auch Kleinvieh macht Mist. Hier ein Cutter, dort ein paar Schrauben, hier nochmal neue Pinsel. Wir haben alleine für Abdeckfolien und Klebeband ca. 300€ ausgegeben. Für das Verschrauben der Dielen, haben wir bestimmt 10 Bits durchgejuckelt. Die billigen schneller, die teuren etwas langsamer.
  • Baut die Planung der Eigenleistung nicht zu sehr auf Helfer auf, denn wenn diese ausfallen, habt ihr das Problem. Wir haben jede Hilfe genommen, die wir bekommen haben und das war auch nötig, aber ursprünglich hatten wir ohne Hilfe geplant.
  • Traut euch was zu! Ihr seid besser als ihr denkt und wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir einige Sachen ordentlich oder ausführlicher gemacht haben als die Handwerker und beim Wasserschaden z.B. wussten wir direkt was zu tun war, weil wir den Bodenaufbau selber gemacht haben.
  • Durch die vielen Eigenleistungen waren wir auch viel auf der Baustelle, haben dadurch viel mitbekommen bei den Handwerkern und konnten auch viel mitreden.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s